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Zwischen Existenzangst und Ratsbeschluss: Ein Anwohner stellt den Rat zur Rede

Ein Anwohner des Weidedamm wendet sich mit diesem offenen Brief an den Gemeinderat:

Lieber Gemeinderat,

Auslöser meines Beitrages heute, war ein handschriftlich verfasstes Schreiben in meinem Briefkasten in dem mir das Angebot gemacht wurde mich bei Familie X zu melden, falls ich mein Haus verkaufen möchte.

Hängt dieses Schreiben mit dem Schild an der Straße zusammen, welche Kosten durch den Ausbau der Straße auf mich zukommen?

Möchte da jemand ein Schnäppchen machen?

Dabei ploppte bei mir die Frage auf, ob der Gemeinderat überhaupt eine Vorstellung davon hat, was der Ratsbeschluss über die Anliegergebühren mit den Anwohnern des Weidedamm macht?

Man wird beim Einkaufen darauf angesprochen, man ist der Querulant, man solle doch einfach zahlen, wie alle anderen.

Alle Argumente gegen die Anliegergebühren werden vom Gemeinderat abgekanzelt. Eine ernsthafte Alternative, was zum Beispiel die Berechnung einer durchschnittlichen Grundsteuererhöhung pro Haushalt kosten würde, wird nicht in Betracht gezogen.

Beschlossen ist beschlossen!

Das sieht alles nach „alter Männer Politik“ aus, was verwundert, wo doch auch viele jüngere Ratsmitglieder vertreten sind. 

Dem ist man ausgeliefert!

Im Weidedamm wohnt die junge Familie, die in Eigenleistung ihr Haus ausbaut, die Familie die seit einem Jahr die Türzargen nicht eingebaut bekommt. Es geht um den der sich überlegt, wie er sein Haus energetisch sanieren soll. Oder die Familie oder den Rentner, die jetzt gerade so über die Runden kommen, bei einer Erhöhung, wie zum Beispiel der Lebensmittelpreis um über 30 % seit 2019.

Und es geht um Kinder und Jugendliche, die von der finanziellen Schieflage betroffen sein können. Für sie reicht aber auch schon nur im Weidedamm zu leben und immer wieder der politischen Fehlentscheidung des Rates ausgesetzt zu sein.

Was ist mit Kinder- und Altersarmut?

Gibt es die in Tarmstedt nicht?

Es ist nachgewiesen, dass finanzielle Not der Eltern, die Bildungschancen der Kinder verringert und zu einer psychischen Belastung für sie werden kann!

Wie wollen sie die als ihre Wähler gewinnen? Und überhaupt, derzeit hätten wohl die Grünen beste Chancen 95% der Stimmen im Weidedamm zu erreichen, soweit es bis zur Wahl keine wirkliche Alternative gibt, vor allen Dingen hoffentlich keine Blaue.

Im Weidedamm leben ca. 3-4% der Tarmstedter Bürger, die sind doch auf lange Zeit politisch verbrannt!

Aus Sicht des Gemeinderates spielt das anscheinend keine Rolle.

Es macht den Eindruck, dass die Mitglieder des Gemeinderates in einem Paralleluniversum leben, sie keine Vorstellung davon haben wie belastend der Druck auf Familien ist, 10.000 € aufzubringen! Und die wirklichen Kosten sind z.Z. noch gar nicht absehbar.

Die Kosten für den Ausbau von Straßen sind seit 2019 um 30-40 % gestiegen. Die Dimensionen der finanziellen Belastung für die Anlieger sind nicht absehbar.

Ich bin mir sicher, dass auch der Großteil der Ratsmitglieder, wenn sie nicht politisch engagiert und Anwohner des Weidedamm wären empört und verzweifelt reagieren würden.

Stattdessen müssen sich die Weidedammanwohner von Ratsmitgliedern anhören, dass sie das Thema Weidedamm nicht mehr hören können, sie es so gerecht finden und es vor Jahren so entschieden wurde!

Leben sie noch in der Realität?

Der Ausbau des Weidedamm wäre im Rat nicht angefasst worden, wenn der Schmutzwasserkanal nicht marode wäre. Nun teilen sich die Gemeinde und die Samtgemeinde die Kosten.

Großer Gewinner ist die Samtgemeinde. Sie hätte die Gesamtkosten tragen müssen, wenn die Gemeinde mit dem Regenwasserkanal nicht auf den Zug aufgesprungen wäre. Die Gemeinde setzt noch einen drauf und plant gleich noch den Anschluss eines Regenwasserkanals für ein zukünftiges Baugebiet mit.

Im Birkenring und Wiesengrund sind die Schmutzwasserkanäle noch in Ordnung, dort hätten die Gemeinde und die Anlieger 100 % der Kosten für den Bau eines Regenwasserkanals übernehmen müssen.

Die Eichenstraße wird nach der jetzigen Instandsetzung bestimmt die nächsten 10 Jahre nicht mehr angefasst.

Und bis dahin, so hörte ich in einem Nebensatz eines Ratsmitgliedes auf der letzten Ratssitzung, wird Tarmstedt durch die geplanten Windkraftanlagen, eine reiche Gemeinde sein.

Wie es der Zufall will, ist heute meine Anfrage beantwortet worden, wie hoch die Anliegergebühren für Straßenausbauten in den letzten Jahren in der Gemeinde Tarmstedt ausfielen.

Seit 1999 wurden sechs Straßen ausgebaut bei denen Anlieger zur Kasse gebeten wurden.

Alle Summen, die ich jetzt nenne sind Inflationsbereinigt.

Der höchste Betrag wurde mit 5,02 € pro Quadratmeter bei der Straße Dammwiesen im Jahre 2000 eingefordert, der niedrigste bei der Straße Am Friedhof 2014 mit 1,73 €. Im Durchschnitt mussten die Anlieger der sechs Straßen 3,38 € pro Quadratmeter Anliegergebühren zahlen.

Wenn man dann noch bedenkt, dass der Birkenring, der Wiesengrund und die Eichenstraße ganz raus sind, bleibt einem nur noch ein fassungsloses Kopfschütteln über die Auslegung der sozialen Verantwortung des Tarmstedter Gemeinderates.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.